Überall in Berlin liegt illegal Müll – auch in Marzahn-Hellersdorf. Die Verursacher:innen kommen fast immer ungeschoren davon. Neue Zahlen, die ich erfragt habe, belegen einen traurigen Rekord: Für 2026 drohen bis zu 2.900 Fälle illegaler Müllentsorgung. Doch während die Fallzahlen steigen, liegt die Aufklärungsquote bei unter einem Prozent. Die Bußgelder sind zu niedrig und wir müssen von befristeten Stellen der „Waste-Watchers“, damit das Gesetz wirksam durchgesetzt werden kann.

Illegale Müllablagerungen sind längst kein Randproblem mehr, sondern eine wachsende Belastung für viele Berliner Bezirke und ihre Anwohnerinnen und Anwohner. Nicht zuletzt kostet die Entfernung des achtlos entsorgten Mülls viel Geld.
Meine Anfrage zeigt ein alarmierendes Bild: Innerhalb eines Jahres sind die Meldungen in Marzahn-Hellersdorf von 2.145 auf über 2.400 Fälle hochgeschnellt. Das ist ein Zuwachs von 12 Prozent – und der Trend zeigt weiter nach oben.
Zwar können die Ablagerungen grundsätzlich als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, aber das Ordnungswidrigkeitenrecht funktioniert nur, wenn der Staat auch die Kapazitäten hat, es durchzusetzen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Von 2024 auf 2025 gab es 12 % mehr illegale Müllablagerungen. Auch im Jahr 2026 scheint sich diese Entwicklung fortzusetzen, denn bereits im ersten Quartal 2026 wurden 715 Fälle gemeldet. Setzt sich dieser Trend so fort, könnte die Gesamtanzahl für 2026 zwischen 2.800 und 2.900 Fällen liegen – ein erneuter Rekord.
Hotspots und strukturelle Probleme
Den größten Anteil der Müllablagerungen machen dabei Unrat, Sperrmüll und Bioabfälle aus, aber auch Bauabfälle und Elektroschrott nehmen zu. Auswertungen des bezirklichen Meldesystems und Daten der BSR zeigen klare Schwerpunkte: Besonders belastet sind in Marzahn-Hellersdorf Orte wie die Märkische Spitze, der Nordring, der Pyramidenring und der Bereich rund um den Cleantech Business Park.
Wir haben es hier nicht mit einem vorübergehenden Phänomen zu tun, sondern mit einem strukturellen Problem, das ein konsequentes Handeln auf mehreren Ebenen erfordert. Ein grundlegendes Problem ist auch, dass wir viele Daten gar nicht oder nur unzureichend erfassen. So gibt es beispielsweise keine systematische Statistik zu Sonderreinigungen oder zu Kontrollen durch den Ordnungsdienst, was bedauerlich ist.
Geringe Abschreckung: Kaum Strafen für illegalen Müll
Ebenfalls ernüchternd ist die geringe Aufklärungsquote. Von insgesamt über 5.200 gemeldeten illegalen Müllablagerungen von 2024 bis März 2026 wurden nur 830 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Insgesamt konnten nur 50 Verursacher:innen ermittelt werden.
Besonders unzureichend: Bezogen auf alle Meldungen (5.266) liegt die Aufklärungsquote bei unter einem Prozent. Selbst wenn man nur die tatsächlich eingeleiteten 830 Verfahren betrachtet, werden lediglich 6 % der Täter:innen ermittelt.
Dem gegenüber stehen hunderte Verfahren, meist ohne Ergebnis. Hinzukommt, dass die verhängten Bußgelder auffallend gering in der Höhe bleiben. So wurden von 2024 bis März 2026 insgesamt nur 41 Bußgelder verhängt, häufig mit Durchschnittsbeträgen zwischen nur 129 und 322 Euro.
Wer erwischt wird, zahlt mitunter weniger, als eine sachgerechte Entsorgung gekostet hätte. Das ist kein abschreckendes Signal, sondern fast eine Einladung zum Weitermachen. Ohne spürbare Konsequenzen bleibt auch die beste Kontrolle praktisch wirkungslos. Positiv ist jedoch, dass der Senat den Berliner Bezirken kürzlich weitere Beschäftigungspositionen für die Bußgeldsachbearbeitung zur Verfügung gestellt hat. Diese sind allerdings leider befristet.
Waste-Watcher als richtiger Ansatz
Der Senat hat auf die stadtweite Müllproblematik reagiert und den Bezirken zusätzliche Stellen für sogenanntes Waste-Watching finanziert. Bei den Waste-Watchern handelt es sich um Ordnungskräfte des Allgemeinen Ordnungsdienstes (AOD), die sowohl kontrollieren als auch präventiv auf Bürgerinnen und Bürger zugehen sollen. Die zusätzlichen Stellen sind im Wesentlichen über Maßnahmen wie den Sicherheitsgipfel sowie die Zielvereinbarung „Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum“ etabliert.
Doch das Konzept hat Schwächen, denn viele dieser Stellen sind befristet, was naturgemäß zu Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung führt. Lediglich vier Berliner Bezirke haben ihre Waste-Watcher-Beschäftigungspositionen überhaupt besetzt, was aus einer parallel gestellten Anfrage der Abgeordneten Leschewitz (Linke) hervorgeht.
Für Marzahn-Hellersdorf ist es daher ein echter Fortschritt, dass die insgesamt vier Stellen für AOD-Dienstkräfte als Waste-Watcher seit Juni 2025 zunächst bis Ende 2027 besetzt sind. 2025 haben diese so circa 4.450 Präsenzstunden mit dem Schwerpunkt Waste-Watching durchgeführt.
Auch die zwei weiteren Stellen für Waste-Watcher (AOD-Kräfte) aus dem Doppelhaushalt 2026/27 befinden sich in Marzahn-Hellersdorf aktuell im Ausschreibungs- bzw. Besetzungsverfahren.
Potenzial für Verbesserung
Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, dass es in Berlin nicht an Erkenntnissen fehlt, sondern an Konsequenz in der Umsetzung. Politisch müssen wir den Anspruch haben, illegale Müllablagerungen wirksam und vor allem nachhaltig zurückzudrängen.
Das Ordnungsamt muss bekannte Hotspots dauerhaft und sichtbar kontrollieren, bloße punktuelle Einsätze reichen nicht mehr aus. Gleichzeitig müssen die Bußgelder so ausgestaltet und angewendet werden, dass illegale Entsorgung sich nicht länger lohnt.
Der rechtliche Rahmen hierfür ist bereits vorhanden – auf Bundesebene ermöglicht das Kreislaufwirtschaftsgesetz je nach Fall Bußgelder von bis zu 100.000 €. Auch auf Landesebene hat Berlin den Bußgeldkatalog im November 2025 deutlich verschärft, sodass bei Ablagerungen von Sperrmüll und Elektroschrott Bußgelder bis zu 15.000 € vorgesehen sind. Der gesetzliche Rahmen ist also da – er wird nur viel zu selten konsequent ausgeschöpft. Auch strukturell braucht es Verbesserungen wie verlässliche Daten und vor allem unbefristete Stellen im Waste-Watching sowie in der Bußgeldsachbearbeitung, damit die aufgebauten Strukturen nicht wieder zusammenbrechen. Dabei müssen Prävention und Kontrolle letztlich zusammengedacht werden. Aufklärung und niedrigschwellige Entsorgungsangebote sind wichtig, entfalten aber nur dann Wirkung, wenn sie durch spürbaren Kontrolldruck ergänzt werden.