
Dieser Sommer zeigt es: Marzahn-Hellersdorf ist einer der hitzeanfälligsten Bezirke Berlins. Mit nur 15 Trinkbrunnen, 39,8 % versiegelter Fläche und kaum bekannten Kühlorten wird die Hitze hier für Zehntausende zur Gefahr – besonders für Obdachlose, Senioren und Kinder. Berlin wird in unseren Lebzeiten nicht mehr kälter werden – wir müssen unsere Stadt und unseren Bezirk daher den hohen Temperaturen anpassen.
Mit nur 15 öffentlichen Trinkbrunnen liegt Marzahn-Hellersdorf auf Platz 9 von 12 Bezirken – halb so viele wie Spitzenreiter Friedrichshain-Kreuzberg (30). Pro 10.000 Einwohner:innen gibt es hier 0,52 Brunnen, in Friedrichshain-Kreuzberg sind es 1,12.
Öffentliche Trinkbrunnen sind ein wichtiger Beitrag zum Hitzeschutz und tragen auch an nicht so heißen Tagen dazu bei, dass wir ein Bezirk mit hoher Lebensqualität sind. Gerade wer draußen Sport macht, etwa beim Laufen, freut sich über jede Trinkmöglichkeit.
Marzahn-Hellersdorf ist der am stärksten versiegelte Außenbezirk
Marzahn-Hellersdorf ist zwar weniger versiegelt als die Innenstadtbezirke, doch hat es trotz seiner umfangreichen Naturflächen einen vergleichsweise hohen Anteil an versiegelten Flächen. Fast 40 % des Bezirks sind versiegelt (Stand 2021) und damit mehr als der Berliner Durchschnitt (36,1 %). Die anderen Außenbezirke (Steglitz-Zehlendorf, Spandau, Reinickendorf, Pankow, Treptow-Köpenick) weisen jeweils geringere Versiegelungsgrade auf.
Unser Bezirk hat viele schöne grüne Ecken. Doch das täuscht darüber hinweg, dass dort, wo dicht bebaut ist, die Versiegelung sehr hoch ist. Das ist schlecht für den Boden und die Natur, da kaum Wasser versickern kann. Aber auch für uns Menschen ist das ungesund, da die versiegelten Flächen Hitze wie ein Backofen speichern – und sie nachts wieder abgeben. Das kostet Gesundheit und Lebensqualität.
Bereits jetzt zigtausende Hitzetote
Allein diesen Sommer starben in Deutschland bereits jetzt über 12.000 Menschen an der Hitze. Gerade vulnerable Gruppen sind durch die Hitze gefährdet. Während es bei Kälte bereits ein großes Problembewusstsein gibt, gibt es für Hitze bisher kaum Hilfsangebote für obdachlose Menschen.
Die Berliner „Kühle-Ort-Karte“ weist lediglich 13 Orte in Marzahn-Hellersdorf auf, wo Menschen sich an Hitzetagen abkühlen können. Davon muss es mehr geben und die Karte bekannter gemacht werden.
Die Gefahr darf dabei auf keinen Fall kleingeredet werden. Wir müssen entschlossen den faschistoiden Impulsen entgegentreten, dass Hitze ja ‚nur‘ für alte und kranke Menschen eine Gefahr sei. Das ist nicht nur falsch, es ist auch menschenverachtend. Der Staat hat den Auftrag, alle Menschen in Deutschland zu schützen. Bei Hitze kommt er diesem Auftrag bisher nur ungenügend nach.
Hitzeschutz und Lebensqualität in der Stadt verbessern
Um zukünftige Sommer in Marzahn-Hellersdorf erträglicher zu machen, fordert Lehmann konkret, dass jedes Jahr fünf neue Trinkbrunnen gebaut werden, bis mindestens 50 im Bezirk vorhanden sind. Außerdem soll der Versiegelungsgrad nach und nach sinken und 2030 unter dem berlinweiten Durchschnitt liegen. Fünf Trinkbrunnen im Jahr und knapp 1 % neue entsiegelte Fläche sind realistische Ziele, welche auch im engen Rahmen der Bezirksfinanzen machbar sind und zugleich die Lebensqualität und den Hitzeschutz im Bezirk spürbar verbessern werden.